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Pfeil und Bogen und die innere Ruhe

Auf BR Alpha hat die Sendung ‚Gesundheit‘ sich dem Thema „Bogenschießen“ angenommen. Ein gelungener Beitrag wie ich finde: Schaut doch mal auf dem beigefügtem Link:

Bogenschießen Pfeil und Bogen und die innere Ruhe

https://www.br.de/mediathek/video/bogenschiessen-pfeil-und-bogen-und-die-innere-ruhe-av:5b582e787a09620018d3160e

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Bogenschießen: Als Sport ein Volltreffer

Bogenschießen stärkt den Rücken und die Seele – und ist selbst für chronisch Kranke geeignet. 

Tipps für den Einstieg

 

Bogenschießen ist ein leiser Sport, um den niemand großen Wirbel macht. Die Meisterschaften finden mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Literatur dazu gibt es fast nur für Spezialisten. Und wie viele Menschen tatsächlich regelmäßig zu Pfeil und Bogen greifen, lässt sich kaum beziffern. Der Deutsche Schützenbund, die größte Vereinigung ihrer Art in Deutschland, schätzt vorsichtig, dass nur um die 50.000 ihrer insgesamt 1,5 Millionen Pistolen-, Gewehr- und sons¬tigen Schützen regelmäßig Bogensport betreiben. Schade eigentlich.

 

Robin Hood auf Krankenschein 

Denn Bogenschießen, sagt Klaus Lindau, der Bundesreferent für den Bogensport im Deutschen Schützenbund, „ist preiswert, gesund und für fast jeden zu machen“. Vom Jugendlichen bis zum Hochbetagten: Beinahe jeder könne den Sport ausüben, „auch, wenn er bewegungseingeschränkt ist“, so Lindau. Bogenschießen ist ein statischer Sport, deshalb können ihn auch Rollstuhlfahrer ausüben. Sogar Blinde. Statt des Visiers haben sie eine spezielle Ziel¬einrichtung, die mittels optischer ¬Signale den Weg in die Scheibe weist. Menschen mit Problemen im Halswirbelbereich, mit der Schulter oder mit Sehnenerkrankungen wie Tennisarm rät Klaus Lindau allerdings vom Bogenschießen ab.

 

 

Training für den Kopf

In vielen Rehabilitationszentren für chronisch Kranke gehört Bogenschießen inzwischen zum Programm. Denn das Spiel mit Pfeil und Bogen stärkt nicht nur die Rücken- und Armmuskeln. Es sorgt auch für eine exzellente Koordination – und für Konzentration. Sich sammeln, den Bogen in einer fließenden Bewegung heben, spannen und dann den Pfeil loslassen: In solchen Momenten erlebt Dieter K. Glück und innere Ruhe. Sein stressiger Job als Unternehmensberater, der Zeitdruck, die Familie: All das tritt beim Training dreimal die Woche zurück.

 

Konzentrieren – und Ruhe finden

„Beim Bogenschießen geht es darum, den komplizierten Bewegungsablauf ständig zu wiederholen“, sagt Lindau. So lange, bis er traumwandlerisch sitzt. Erst dann gelingt es zuverlässig, auf den einen, kleinen Punkt zu fokussieren, in den der Pfeil schließlich treffen soll. Lindau: „Für Jugendliche mit der Aufmerksamkeitsstörung ADHS ist Bogenschießen ideal.“ Und es bietet viele Facetten: Sportlich Ambitionierte schießen mit dem Recurve-Bogen, so wie K.. Das ist übrigens auch eine olympische Disziplin. Traditionalisten greifen zum Langbogen, bei dem die Schützen nur Holzpfeile verwenden.

 

Der Einstieg ist einfach

Der Einstieg ins Bogenschießen gelingt leicht – und kostet zunächst wenig. „In fast jeder Ecke in Deutschland gibt es Vereine, so auch in Arbergen“, sagt Lindau. Ausführliche Informationen finden sich zum Beispiel auf der Internetseite des Schützenverein Arbergen von 1954 e.V. Einsteiger brauchen nicht sofort ein eigenes Gerät. Beim SV Arbergen kann man es sich beim Verein leihen. Wichtig ist aber, zu Beginn unter fachlicher Aufsicht zu üben. „Außerdem sollten sich Einsteiger nicht überfordern“, warnt Klaus Lindau. Er rät ¬dazu, beim Bogen anfangs auf leichte Zuggewichte und kurze Distanzen zu achten. Schützenkönige in spe müssen nämlich erst ihre Arm- und Rückenkraft ¬aufbauen, bevor sie stärkere Wurf¬arme verwenden können, die den Pfeil bis 90 Meter weit fliegen lassen. Wer Diabetes hat, sollte vor dem Sport seinen Zucker kontrollieren und nur mit guten Werten trainieren.

Mehr Muskeln und bessere Zuckerwerte

Bogensport ist nicht sehr anstrengend – aber einseitig. Sportwissenschaftler empfehlen daher, Ausdauertraining wie Joggen oder Radfahren als Ausgleich zu betreiben und die anderen Muskelgruppen, also etwa Bauch und Beine, zusätzlich im  Studio zu stählen. „Das Bogenschießen hat mein Leben verändert“, sagt Dieter K.. Er sei schlanker und muskulöser als früher. Sein ehemals stark erhöhter Blutdruck besserte sich deutlich. Und auch seine Blutzuckerwerte sind heute stabiler. Sogar im Job tut er sich leichter: „Ich kann mich heute viel besser und länger konzentrieren als früher.“

 

Die Kunst des richtigen Zielens

,,Schaut nun nicht nur mit einem Auge über die Pfeilspitze auf das Ziel, sondern mit beiden Augen auf den Punkt, den ihr treffen wollt", leitet Reiner Rauer (Chef der Arberger Bogenschützen) seine Schüler an. Diese Technik, welche die unbewusst ablaufende Auge-, Hand-Koordination nutzt, funktioniert erstaunlich gut. Landeten die ersten Pfeile, bei denen die Kursteilnehmer den Blick über die Pfeilspitze als Zielhilfe benutzten, noch weit außerhalb der Scheibe, treffen nun schon einige Pfeile die farbigen äußeren Zielkreise und zwei sogar ins Schwarze. ,,Es zeigt sich immer wieder, dass die Trefferquote bei der intuitiven Zieltechnik deutlich höher ist als beim zielfixierten Schießen", sagt Rauer. 

 

Was die Schützlinge des Übungsleiters heute als Sportgerät nutzen, ist in seiner Urform die älteste Schusswaffe der Menschheit. Mit Pfeil und Bogen sicherten sich unsere Vorfahren schon in der Steinzeit ihr Überleben. Die Bögen formten sie aus Holz und bespannten sie mit Tiersehnen. Die scharfen Pfeilspitzen fertigten sie handwerklich geschickt aus Feuerstein oder Knochen. 

 

Die Bogenjagd ist in Deutschland mittlerweile verboten. Doch hat sich die Faszination für die archaisch anmutenden Gerätschaften und den ästhetischen Bewegungsablauf von Bogenspannen, Zielen, Loslassen bis heute erhalten. Derzeit ist vor allem die traditionelle Form gefragt, die auf die intuitive Zieltechnik zurückgreift. Die Schützen nutzen hier außerdem keine technischen Hilfsmittel wie Visiere oder  Ausgleichsgewichte. Sie schießen mehr oder weniger nach Gefühl. 

 

Verwendet werden dazu D-förmige Lang-, Flach- oder sogenannte Recurvebögen - Bögen mit Rückkurve. Sie bestehen aus Holz, das oft mit Hightech- Materialien wie Fiberglas, Karbon und Alu verstärkt ist. Der Schütze hält diesen Bogen vor dem Schuss mittig und leicht schräg vor dem Körper am ausgestreckten Arm. Ein lederner Armschutz verhindert, dass die beim Loslassen nach vorn schnellende Sehne die Haut schmerzhaft streift. Zeige-, Mittel- und Ringfinger der dominanten Hand krümmen sich - von einem speziellen dreifingerigen Lederhandschuh geschützt - um die Sehne, die unter Anspannung der Rücken- und Schultermuskulatur bis auf Höhe des Mundwinkels gezogen wird. Das Entspannen der Finger schließlich katapultiert den Pfeil mit großer Geschwindigkeit nach vorne. ,,Bereits bei einer sehr geringen Zugkraft von 7,5 Kilogramm erreicht der Pfeil 70 bis 90 Stundenkilometer", sagt Reiner Rauer.

 

 

Variantenreiche Sportart

Richtig ausgeführt, stärkt Bogenschießen die Rumpfmuskulatur und fördert einen stabilen Stand sowie eine lockere, aufrechte Körperhaltung. Der Bewegungsablauf - ähnlich komplex wie beim Golfen - ist allerdings nicht nur körperlich, sondern auch mental eine Herausforderung. ,,Er erfordert Konzentration, Geduld und das Loslassenkönnen im richtigen Moment", sagt Rauer. Der Übungsleiter empfindet den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung sowie die achtsame Konzentration auf ein Ziel als äußerst beruhigend und entspannend. Davon profitiert er auch im Alltag. ,,Durch Bogenschießen habe ich Gelassenheit gelernt." Lässt man sportliche Aspekte und Leistungsorientierung völlig in den Hintergrund treten, dient der Bogen als Mittel zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit.

Alle ins Gold

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